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Gesundheitsfachberufe auf dem Weg zur Akademisierung der Ausbildung

Um die „Akademisierung der therapeutischen Gesundheitsfachberufe“ ging es beim 3. Informationsabend für Heilmittelerbringer der Münsteraner Bundestagsabgeordneten Maria Klein-Schmeink. Rund 70 Interessierte waren in die Fachhochschule Münster gekommen, um mit der gesundheitspolitischen Sprecherin, Vertreterinnen der Berufsverbände für Therapeuten (DVE, IFK und dbl/Arbeitskreis Berufsgesetz) und Lehrenden der FH Münster auf dem Podium zu diskutieren. Den IFK vertrat Brigitte Heine-Goldammer, Beauftragte des Vorstands.

Große Einigkeit herrschte über die Notwendigkeit der Akademisierung als Perspektive für die Gesundheitsfachberufe. Im gesamten europäischen Ausland ist dies der Ausbildungsweg für Therapeuten, nur in Deutschland gibt es die fachschulische Ausbildung mit vielen Problemen wie zum Beispiel dem Schulgeld. Daher zeigten sich auch viele der Anwesenden höchst überrascht, dass Bundesgesundheitsminister Spahn der Vollakademisierung auf dem 2. SHV-TherapieGipfel eine klare Absage erteilt hatte.

Frau Prof. Dr. rer. medic. Anke Kohmäscher von der FH Münster zeigte in ihrem Eingangsvortrag einen Ausblick auf die akademisierte Ausbildung, wie sie bereits in Modellstudiengängen unter anderem in Münster erprobt wird: „Wir stellen jetzt die Weichen für die Gesundheitsversorgung von morgen und den Stellenwert der Therapieberufe in dieser Gesundheitsversorgung.“ Besonderer Fokus auf dem Weg hin zur Akademisierung muss allerdings auf die Übergangsregelungen gelegt werden, denn die derzeitigen und bereits erfolgten Ausbildungen und vor allem Fort- und Weiterbildungen haben bereits höchste Qualität. Gerade langjährig erprobte Therapeuten dürfen keinen Nachteil aus der anstehenden Veränderung der Ausbildungssituation erfahren. „Unsere ausgebildeten therapeutischen Fachleute können viel, dürfen aber nur wenig“, fasst Maria Klein-Schmeink das derzeitige Dilemma zusammen. Die Vollakademisierung könne in Zukunft mit dem Bachelorabschluss nicht nur zur Arbeit mit den Patienten befähigen, sondern auch dazu, mehr Verantwortung für Diagnose und Therapie zu übernehmen.



Brigitte Heine-Goldammer (r.), Beauftragte des IFK-Vorstands, diskutierte unter anderem mit Maria Klein-Schmeink (M.), MdB (Grüne), Mitglied des Bundesgesundheitsausschusses.

Bezogen auf die Physiotherapie äußerte Frau Brigitte Heine-Goldammer: „Der IFK setzt sich weiterhin für die vollständige Akademisierung der physiotherapeutischen Ausbildung ein. Ein Studium bildet wissenschaftlich reflektierte Praktiker aus, die die Studienerkenntnisse sicher auf die Behandlung der Patienten übertragen können. Dadurch arbeiten sie effektiv und auf dem neuesten Stand der Forschung. Außerdem sichert die Vollakademisierung die Attraktivität des Therapeutenberufs.“

Frau Julia Schirmer, Vorstandsmitglied Bildung und Wissenschaft beim Deutschen Verband der Ergotherapeuten e.V. (DVE) führte aus: „Um eine evidenzbasierte Patientenversorgung in der Zukunft zu gewährleisten, brauchen wir eine attraktive Ergotherapie-Ausbildung, mehr Anerkennung und auch berufliche Perspektiven. Wir brauchen vor allem Bedingungen, die uns eine Ausbildung nach internationalen und aktuellen Standards ermöglicht. Dafür brauchen wir die hochschulische Ausbildung!“

Die weitere akademische Ausbildung würde die Forschung, etwa die Entwicklung neuer Therapieformen, voranbringen, sowie die Evaluation der praktischen Arbeit gewährleisten. Erfahrungen aus Österreich oder der Schweiz und Modellstudiengängen wie an der FH Münster zeigen, auf welche Vorarbeiten aufgebaut werden kann und welche Wege zur Akademisierung sinnvoll sind. In diesem Zusammenhang verwies Helga Breitbach-Snowdon, Lehrlogopädin am Universitätsklinikum Münster und Mitglied im Arbeitskreis Berufsgesetz, auf die bereits geleistete Vorarbeit: „In der Stimm-Sprech-Sprachtherapie sind die Voraussetzungen für eine vollständige Akademisierung so gut wie nie zuvor. Die Vorlage für ein einheitliches Berufsgesetz, das die derzeit zwölf Ausbildungswege in der Stimm-Sprech-Sprachtherapie in einer hochschulischen Ausbildung verankert, wurde durch den Arbeitskreis Berufsgesetz entwickelt und steht den politischen Entscheidern zur Verfügung.“


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